Monatliches Archiv für Mai, 2009

BACAPON: Über Ausländerfeindlichkeit Teil 1

Ok da bin ich wieder

heute möchte ich euch über etwas schreiben, was mir sehr auf der Seele brennt. Ich denke, wenn man sich die Zusammenhänge deutlich macht, kann man mit Sicherheit auch auf die Deutschsprachige Rap Szene schließen.

Um die Stimmung in diesem Land zu spüren, braucht ein Ausländer oder Migrant keine hoch wissenschaftlichen Studien über Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Bedauerlicherweise lernen die meisten Migranten in diesem Land in frühster Kindheit schon damit zu leben, dass ein großer Teil der Bevölkerung dieses Landes sagen wir mal „ausländerunfreundliche“ Gedanken pflegt.

Wenn man zu der Frage kommt, wozu es diese Studien gibt, ist die Antwort ziemlich simpel: Für die meisten Deutschen gibt es dieses Problem nicht. Ausländerfeindlich sind nur die Glatzköpfe in Ostdeutschland, die npd, die dvu usw. Diese Studien hingegen belegen wissenschaftlich, das der Alltagsrassismus fest in der Mitte der Gesellschaft verankert ist.

Nach Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung zeichnet sich ein düsteres Bild ab. 40 Prozent der Bevölkerung dieses Landes fühlt sich von Ausländern gestört und findet das dieses Land von Migranten übervölkert ist. Besorgniserregend ist z.B. das Befragte die nicht durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen sind dennoch starke Vorurteile gegen bestimmte Migranten-Gruppen hegen. Eine kulturelle Abneigung gegenüber meist orientalischen Einwanderern entschärft das Wort Rassismus in den intellektuellen und weltoffenen Köpfen aus der Mitte der Gesellschaft. So ist es selbstverständlich: Die Religion und Kultur jener Migranten auf die selbe Weise zu verunglimpfen wie es die Rechtsextremen tun ohne aber gleich ein Ausländerfeind zu sein. Sogar „normale Deutsche“ also, die nicht mal im Traum daran denken würden, Ausländerfeinde zu sein - unterscheiden zwischen guten und schlechten Migranten.

Wenn man einer anderen Studie der selben Stiftung glauben schenkt, dann ist jeder 7 deutsche Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren extrem ausländerfeindlich und jeder dritte Jugendliche dieses Landes fühlt sich durch Ausländer gestört.

Ich denke grad in den Grosstädten machen eine menge deutscher Jugendliche aus der sozialen Mitte oft schlechte Erfahrungen mit Migranten-Kindern aus der untersten sozialen Schicht. In dieser schwierigen Zeit des erwachsen-werdens stehen sich also zwei Gruppierungen gegenüber, die verschiedener nicht sein können. Da gibt es einmal die Migranten-Kinder und sozialschwachen Deutschen aus den Problemvierteln, die perspektivlos dahin vegetieren und jene deutschen jugendlichen die Zweistrassen weiter in Einfamilien Häusern einer rosigen Zukunft entgegenblicken, um einmal die Elite dieses Landes zu bilden.

Wo begegnen sich diese Jugendliche?

Sie besuchen meist verschiedene Schulen und auch in den Jugendhäusern sucht man vergeblich nach gut behüteten deutschen Jugendlichen die mit Türken und Arabern aus dem Viertel abhängen. Vielleicht sehen sie sich ja mal Nachts im Club? Weit gefehlt es ist sehr unwahrscheinlich dass ein besagter Jugendliche aus dem Viertel überhaupt in eine Disco reinkommt. Sie begegnen sich z.B. am Bahnhof oder auf Straßenfesten oder auf der Reeperbahn nach einer durchzechten Nacht; Und die alltägliche Gewalt der Straße erfasst nun auch jene gutbehüteten deutschen Jugendlichen.

Die Perspektivlosigkeit, die Armut und die Ohnmacht macht Jugendliche aus der sozialen Unterschicht oftmals zu Gewalttätern und zu Kriminellen und somit die gut situierten Jugendlichen diese Landes zu Opfern dieser Gewalt. Viele ausländische Jugendliche hegen starke Abneigungen gegen Deutsche, weil sie zu oft Opfer des alltäglichen Rassismus werden und die Anti-Integration-Politk dieses Landes seit Jahrzehnten am eigenen Leib erfahren. Dem gegenüber stehen Deutsche, die grad in der Jugend Opfer der Gewalt wurden, die unter diesen traurigen Umständen in den Hinterhöfen jeder deutschen Stadt entstand.

Ihr fragt euch sicherlich, was hat das mit Rap Musik zu tun?

Rapmusik ist die Musik der Jugend dieses Landes, sowohl bei Deutschen als auch bei Migranten. Wenn man sich die Rapszene genauer anguckt, erkennt man leider genau dieses Problem. Es gibt kein Zusammenleben zwischen den deutschen und den ausländischen Jugendlichen oder noch genauer gesagt zwischen deutschen und orientalischen Migranten. Das gilt auch für die Rapmusik. Ich will das mal nicht so salop verallgemeinern. Es gibt eine Anzahl von deutschen Jugendlichen, die ebenfalls aus jenen Problembezirken kommt und ebenfalls aus der sozialen Unterschicht, aber Jene sind hier auch gar nicht gemeint, denn das Zusammenleben, grad in den Problembezirken mit all ihren 180 verschiedenen Nationalitäten, funktioniert bestens.

Im Mittelpunkt dieses Blogeintrages steht eigentlich der Einfluss der Anti-Sympathie gegenüber der orientalischen Kultur im Bezug auf die deutsche Rapszene, aber die Hintergründe sind zu umfassend, so dass Ihr euch heute erstmal damit begnügen müsst.

Im zweiten Teil diese Schreibens werde ich genauer auf diese Problem eingehen

Selam

BACAPON Neuigkeiten vom Raubtier

So Leute, dann mal los …

Nachdem am 24.05. mein Album „Raubtiermuzik“ released wurde, ließen wir es uns am Abend richtig gut gehen und gaben in unserem Club, dem DOPPEL H CLUB (Eiffestr. 585 in HH), die dazugehörige Release Party, zu der eine menge Gäste aus den verschiedensten Vierteln unserer schönen Stadt kamen. Auf der Bühne standen an diesem Abend Leute wie: Faro SK, Illy Idol und HWG, Illo und Aramit sowie meinen Jungs von der Doppel H Gang wie Mista Friedman, Black Casa, Tokat Savas und Ali Gold und sorgten mit ihren Live Performances für gute Stimmung. Gegen 12 Uhr war es soweit: Ich ging auf die Bühne und gab eine kleine Kostprobe von meinem Album. Zahlreiche Kamerateams, Angehörige meiner Plattenfirma sowie einige Journalisten und Produzenten haben mit uns gefeiert und der Abend endete ohne jeglichen Stress.

Die drauffolgenden Tage waren natürlich nervenaufreibend und die Frage: „Wie viel verkauf ich von dem Ding“ und „Wirds ein Erfolg“ geisterten durch meinen Kopf … Das sind die Fragen die man sich stellt, nachdem man so lange für das Album gearbeitet hat.

Nun bin ich auch kein Neuling in diesem Geschäft und kenn die Lage des Deutschraps. Es ist ein schwieriges Unterfangen sich im kommerziellen Bereich zu etablieren, wenn es, außer einiger wenigen Ausnahmen, kein Radio Airplay gibt. Es ist eine Tragödie, dass es so gut wie keinen relevanten Radiosender in diesem Land gibt, der jene Musik spielen, welche der Grossteil der Jugend hört. Im Vergleich zu England, den Niederlanden und Frankreich sind wir noch in der Steinzeit, wenn es darum geht diese, in diesem Land nun mehr als fünfzehn Jahre alte Jugendkultur, zu akzeptieren.

Was aus diesem Dilemma resultiert ist, dass es zahlreiche regionale Künstler gibt, die zwar durch Mund-zu-Mund Propaganda einen gewissen Status in ihrem kleinen Einzugsgebiet erreichen, aber die Hürden des nationalen Erfolges nicht nehmen können.

Die durchschnittlichen Verkaufszahlen ziemlich bekannter Künstler in diesem Land liegen bei etwa 3000-5000 verkauften Einheiten. Ausnahmen bestätigen die Regel…

Das Paradoxe dabei aber ist, das wohl diese Art von Musik noch nie verbreiteter war und öfter Gehör fand, als jetzt. Die Verkaufzahlen sagen aber leider das Gegenteil. Wenn man sich dagegen die Downloadzahlen bei den Raporientierten Torrentseiten anguckt, ist man wirklich geschockt. Da schafft es selbst ein Rookie wie Bacapon mit einem Mixtape auf fast 200000 Downloads.

Na ja, da ist wohl nix mehr hinzuzufügen als “Ich brauche die Musik für mich, für mein Leben und wenn es einige Andere gibt, die ebenfalls meine Musik hören, dann freut mich das“

In diesem Sinne bis zum nächsten mal

Selam

BACAPON und SLEEPWALKER auf WorkShop Tour

Hey YAVIDO Volk,

bevor ich später noch über das berichte, was bei mir in letzter Zeit alles ging, will ich Euch fix diese News weitergeben:

Ende Mai bis Mitte Juni werden mein Kollege SLEEPWALKER und ich zusammen auf WorkShop Tour gehen, um in ausgewählten Jugendzentren WorkShops zum Thema Rappen (ich) und Produzieren (SLEEPWALKER) zu geben. Am Ende des WorkShop Tages werden wir nach Möglichkeit einen ShowCase mit Tracks aus meinem aktuellen Album “Raubtiermuzik” spielen.

Ich würde mich wirklich freuen, viele von Euch bei diesen WorkShops zu sehen.

Hier die Termine:

  • 29.05.09 Berlin: Kinder- und Jugendprojekt „Die ARCHE“, Tangermünder Str. 7, 12627 Berlin [Beginn: 16.00 Uhr]
  • 04.06.09 Frankfurt: Jugendzentrum „Am Bügel“, Ben-Gurion-Ring 35-37, 60436 Frankfurt am Main [Beginn: 16.00 Uhr]
  • 05.06.09 Köln: Jugendzentrum „Northside“, Netze Str. 4, 50675 Köln [Beginn: 16.00 Uhr]
  • 06.06.09 Bochum: Hu Town - Jugendzentrum der AWO, Hustadtring 7, 44801 Bochum [Beginn: 16.00 Uhr]
  • 19.06.09 Hamburg: Haus Der Jugend Mümmelmannsberg, Kirchner Weg 8, 22115 Hamburg [Beginn: 16.00 Uhr]

Ich möcht mich ganz speziell bei YAVIDO bedanken, die diese WorkShop Tour möglich gemacht haben und uns tatkräftig dabei unterstützen.

Euch allen einen guten Tag und bis nachher